Die Preisträger 2007
1. Preis Kleinbetrieb/Handwerk
Meierei des Ökodorfes
Brodowin
>>> Hier finden Sie ein Filmportrait
über die Innovationsleistung des Unternehmens.
Das Herz von Brodowin
Nach der politischen Wende 1989 standen die Bauern von Brodowin,
einem 440-Seelen-Dorf in der Uckermark, vor der Hürde des
Neuanfangs. Die LPG wurde aufgelöst, der Maschinenpark
war veraltet. Wie sollte es weitergehen mit Brodowin? Das Thema
Ökologischer Landbau war schon seit den 80ern bei den jährlichen
"Brodowiner Gesprächen" ein heißes Eisen.
Und so krempelten 1990 schließlich ein paar Bauern die
Ärmel hoch und trimmten die LPG auf biodynamischen Landbau.
Mit hohen Investitionen wurde daraus das Ökodorf Brodowin,
heute einer der größten Demeter-Betriebe Europas.
Herz von Brodowin ist die Meierei, die am 15.10.2007 auf der
Anuga in Köln mit dem Innovationspreis Bio-Lebensmittel-Verarbeitung
in der Kategorie Kleinbetrieb ausgezeichnet wurde.
Die Jury würdigt damit das ganzheitliche Konzept und die
kontinuierliche Innovationskraft des Betriebes. Aktuelle Neuheit
ist ein Milchbeutel, der aus Calymer, einem besonders
klimafreundlichen Material, besteht.
Als Molkereimeister Michael Kuper im Jahre 1997 zum ersten Mal
nach Brodowin kam, war er überwältigt von der Größe
des Betriebes, die auch heute noch beeindruckt: Das Ökodorf
bewirtschaftet 1.250 Hektar Land; auf den Wiesen grasen über
350 Rinder; die Felder erstrecken sich bis zum Horizont. "So
viele Kühe auf einem Fleck, das kennt man im Allgäu
gar nicht", sagt Kuper. Er hat die Meierei technisch optimiert
und die Produktpalette, die damals nur Trinkmilch und Schnittkäse
umfasste, kontinuierlich und kreativ erweitert. Heute verarbeiten
der Molkereimeister und seine zehn Mitarbeiter rund 10.000 Liter
Biomilch pro Tag zu Trinkmilch, Joghurt, Butter und Käse
in handwerklicher Qualität. Brodowiner Mozzarella ist weit
über die Region hinaus berühmt.
Seit 2004 erzeugt die Meierei auch einen Ziegenfrischkäse,
die "Brodowiner Zicke". Leicht war es nicht, einen
Bauern zu finden, der bereit ist, seine Ziegen nach den strengen
Demeter-Richtlinien zu halten. Doch eine Abnahmegarantie gab
Fred Pörschke die nötige Sicherheit. Inzwischen ist
sein Ziegenbestand von 27 auf 100 Milchziegen gewachsen und
die Nachfrage nach der "Brodowiner Zicke" steigt weiterhin.
Pörschke hat damit seinen Hof gerettet und dem Ökodorf
einen weiteren Pluspunkt bei der Jury des Innovationspreises
verschafft.
Anders als in der industrialisierten Landwirtschaft legt man
im Ökodorf Wert darauf, Lebensmittel ganzheitlich zu erzeugen.
Deshalb liegt die Meierei nur wenige Schritte vom Kuhstall entfernt.
Maximale Frische sei garantiert und kurze Wege in Hinsicht auf
Klimaschutz vorbildlich, lobt die Jury. Die treuesten Kunden
leben im 80 Kilometer entfernten Berlin: Rund 1.500 Familien
lassen sich dort den "Brodowiner Ökokorb" mit
Obst, Gemüse, Butter und Käse direkt ins Haus liefern.
Außerdem werden täglich ca. 500 Naturkostläden
in Berlin und Brandenburg durch den Terra Naturkosthandel mit
frischer Bio-Milch und Milchprodukten aus Brodowin beliefert.
Deshalb kommen auch oft Besucher zur Hofbesichtigung oder zum
jährlich stattfindenden großen Hoffest nach Brodowin.
Seit Anfang des Jahres mischen die Brodowiner den Milchmarkt
mit einem innovativen Schlauchbeutel auf. Der Milchbeutel besteht
aus einem neuartigen Material, das weit weniger Öl, Energie
und Wasser verbraucht als etablierte Kunststoffe. Er ist reißfest,
standsicher und hat einen Griff zum Ausgießen, ohne zu
kleckern. 180.000 Euro haben die Brodowiner in die neue Technologie
gesteckt - ein beachtlicher Kraftakt für einen Betrieb
dieser Größe.
Und ein Hauptargument für die Jury des Innovationspreises,
die das Ökodorf mit dem 1. Platz in der Kategorie Kleinbetrieb
geehrt hat - eine schöne Belohnung für all die Mühen
der Vergangenheit. Heute ist der Ökohof mit 60 Arbeitsplätzen
größter Arbeitgeber im Ort und Garant für die
Zukunftsfähigkeit des Dorfes: Gegen den Trend, der die
strukturschwache Region auszubluten droht, ist Brodowin seit
1990 um zehn Prozent gewachsen.
Weitere Informationen unter www.brodowin.de.
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